Seit der Anschlag bei uns am Kühlschrank hängt, werde ich von 2 Buben täglich bedrängt. „Wie vielmal müssen wir noch schlafen bis zur Jugireise, müssen wir viel laufen und was nehmen wir mit?" So ging es vermutlich den meisten Eltern der Jugiriegler.
Am 30. Juni um viertel vor 9 war es dann soweit. Da standen 32 Buben, 8 Elternteile und 5 Jugileiter in Pfungen an der Sonne am Bahnhof. Die einen standen sogar mit Bergseilen da, grösser gerollt als sie selbst. Aber nach Abraten der Jugileitung blieben dieselben dann ungenutzt im Ort zurück. Der Zug fährt ein, und die wilde Blater stürzt ins Abenteuer. Über Winterthur, wo die SBB ihr Organisationstalent bezug Platzreservation wieder einmal unter Beweis stellt (keiner der 15 Wagen war so besetzt wie der Reservierte) fuhren wir nach Gossau. Da kletterten wir in die Appenzellerbahn (die Reservation klappte vorzüglich) um nach Weissbad zu reisen. Zwei der Leiter stiegen eine Station früher aus, um mit einem gecharterten Auto nach Weissbad zu kommen. Dort standen die zwei schon beim Postauto um die ganze Mannschaft herein zu bitten. Von Brülisau ging's mit der Schwebebahn hinauf zum hohen Kasten. Bei strahlendem Sonnenschein verpflegten wir uns auf der Terrasse und genossen die tolle (ein jüngerer Schreiber hätte „megageile" geschrieben) Aussicht hinunter ins Rheintal.
Die Rucksäcke sind nun ein bisschen leichter und so macht sich die grosse Jugi über Stauben hinab zum Sämtisersee auf den Weg. Die Kleinen machen den direkten Abstieg vom Kasten zum Sämtisersee.
Warum hier so viele Steine auf dem Weg liegen würden, und wann es endlich Rast gäbe, waren nur einige Fragen, der vielen, die die Buben hatten. Dario hatte die Tour aber so gut eingeteilt, dass sogar die Kleinsten gut mitkamen.
Die grosse Rast machten wir am schönen, kühlen Sämtisersee, zum Leidwesen zweier Angler. Es hatte nämlich einige, die es fast magnetisch ins Wasser zog. Nach kühlem Bad und vollen Bäuchen machten wir uns auf indirektem Weg zum kurzen Aufstieg zum Plattenbödeli. Hier angekommen, war bei den Jungs die Müdigkeit wie weggeblasen. Neue Kraft schwoll in den Körpern an, und es galt, soweit ich es nachvollziehen kann, den ganzen Sandhaufen vom Spielplatz möglichst nass zu machen, um ihn dann so in den Schuhen und Hosentaschen ins Nachtlager zu bringen. Um halb 7 gab es Nachtessen um sich danach frisch gestärkt in die obligate Kissenschlacht zu stürzen. Die gebotene Nachtruhe zog sich dann aber so in die Länge, dass einige der Grossen noch unter geschulter Leitung zu einem Nachtmarsch aufbrachen.
Nach einem kräftigen Frühstück zog dann die fröhliche Schar los. Die grosse Jugi wanderte durchs Tal hinauf um sich an den steilen Aufstieg zur Bogartenlucke zu machen. Die kleinen wurden sofort geprüft. In einer langen Schlangenlinie ging es hinauf zur Alp Sigel, wo wir dann eine kleine Rast unter bedecktem Himmel machten. Von da aus ging es stetig leicht bergab zum Seealpsee. Irgendwo beim Abstieg trafen sich die beiden Gruppen auf die Minute genau (kein Zufall sondern, gute Organisation glaube ich). Alle assen dann zu Mittag und frohgelaunt zog man über Seealpsee nach Wasserauen. Nachdem wir unter Platanen auf den Zug warteten, fuhr eine Gruppe viel ruhigerer Jugendriegler über Gossau, Winterthur nach Pfungen. Die Eltern nahmen ihre Sprösslinge in Empfang und waren genauso glücklich wie die Leiter, alle gesund und munter wieder zu haben. Zum Schluss möchte ich mich im Namen aller Eltern bei der Jugileitung für diese tolle, sehr gut organisierte Wanderung bedanken. Ist es doch nicht mehr selbstverständlich, dass sich einige diese grosse Bürde der Verantwortung aufladen und sehr viel Freizeit für dessen Organisation widmen.
Ich hoffe auch, dass die jungen Teilnehmer dieses schöne Wochenende den Eltern rüberbringen, sodass vielleicht ihr nächstes Ferienziel nicht mehr die Costa Brava (oder ähnliche salzhaltige Tummelplätze) ist, sondern eine Berghütte in der ebenso schönen Schweiz.
Werner Eckert
Anmerkung in eigener Sache zur Jugireise
Waren sie schon mal am Grand Canyon in den USA? Wenn ja, wissen sie wovon ich spreche; wenn nicht, werden sie es verstehen.
Der Ab und Aufstieg hinunter zum Colorado River verlangt eine gute Vorbereitung. Es gibt nämlich nur 3 Oasen (Wasserstellen). So trägt der verantwortungsbewusste Wanderer mindestens 6 Liter Flüssigkeit im Rucksack mit, weil er in der sengenden Hitze die nämlich braucht.
Anders ist es in der grünen Schweiz. Hier reicht es, irgendwelche Pülverchen in Portionen (ca. 50 gr.) den Kindern mitzugeben. Wasser findet man so ziemlich überall. Ist die Flasche leer, hat man innert Minuten wieder ein wohlschmeckendes Getränk gemixt. Das hat nur Vorteile: Die Kinder tragen nur ca. 1 Liter (kg) Flüssigkeit mit sich. Die Leiter tragen, wenn das Kind wirklich nicht mehr mag, dann auch nur 1 Liter (kg) Flüssigkeit. So kann dann ein Leiter bis zu 4 Rucksäcke tragen, ohne dass es ihm die Schuhsohlen nach Australien drückt. Die Leiter lassen danken.
Werner Eckert